Corona und Alkohol – Tiefenpsychologische Insights

.

Freund Paul hat neulich bei einer Gesprächsrunde mitgemacht. Natürlich online. Thema: Corona und Alkohol.

«Hat Spaß gemacht», sagt Paul. «Sympathischer Typ. Gute Atmosphäre. Nette Leute. Geld gab es auch. Übrigens wurde alles noch mal in einem Artikel auf marktforschung.de zusammengefasst, was wir da gesagt haben. Natürlich hat alles viel schöner formuliert, aber sinngemäß sind das unsere Gedanken».  

«Der Frager hat immer eine Frage gestellt und wir haben dann was dazu gesagt. Seine erste Frage war:»

Erleben Sie in Ihrem persönlichen Umfeld, dass in diesen Corona-Zeiten mehr Alkohol konsumiert wird?“

«Ich habe natürlich Ja gesagt», erklärt Paul. «Sonst hätte ich ja wieder gehen müssen. Der Frager hat dann nachgefragt, woran das denn liegen könnte:»

Man muss nicht mehr so früh aufstehen, weil man im Home-Office arbeitet – das schafft Gelegenheiten.“

«Genau so hab ich das gesagt» Der Alte Sack hatte Paul natürlich vorher gebrieft. Das schafft Respekt in der Gruppe. 

Und wenn die Gastronomie geschlossen bleibt, kann man es sich ja zuhause ‚gemütlich machen‘. „

«Genau. Ist zwar nicht so schön, aber besser als nichts. Man soll nicht lügen, hat der nette Frager gleich am Anfang gesagt.» 

Durch die Corona-Krise ist zunehmend eine Spaltung der Gesellschaft zu verspüren. Während sich wohlhabendere Schichten von der Maximierungskultur vor Corona erholen können, geraten die ärmeren Schichten zunehmend unter die Räder.“

«Das hat so ein Schlauberger in der Runde gesagt. Unangenehmer Typ. Woher wusste der das eigentlich über mich?» 

Aktuell stehen wir mit den neusten Lockerungsbemühungen der Politik auf der Schwelle zwischen dem ermüdenden Corona-Kampf und neuer Orientierung. Der Frühling tut das Seine hinzu.“

«Das mit dem Frühling hat Gerda gesagt und dabei süffisant gegrinst. Gerda hat mir gut gefallen»

Aber der Wunsch, durch Corona ausgebremste Lebensziele wieder anzupacken, erscheint ungebrochen: die langersehnte Gartenparty, die ewig verschobene Jubiläumsfeier, das Freundetreffen wecken wieder den Entdecker- und Abenteuergeist.“

«Ausgebremste Lebensziele kam von mir, Entdecker- und Abenteuergeist von Gerda» 

Die kulturellen Hintergründe stellen dar, dass es in der Gesellschaft durch Corona unerfüllte Bedürfnisse gibt.“

«Als der Klugscheißer das sagte, haben viele mit den Augen gerollt. Andere wurden aber auf einmal richtig traurig» 

 

Es fühlt sich nach langem Corona-Warten legitim an, diese Trink-Anlässe psychologisch vorwegzunehmen und mit Sekt bereits heute schon zu feiern.“

«Alle haben genickt. Eigentlich wie jeden Tag – auch ohne Corona, hat einer gesagt. Ab da haben alle gewusst, dass ein Sekthersteller hinter der ganzen Sache steckt»

Man möchte jetzt schon Verunsicherungen hinter sich lassen und mit neuem (und angetrunkenen) Mut in die neue Welt blicken.“

«Genau, hat jetzt aber nichts mit Corona nichts zu tun, hat Gerda gesagt. Viele haben genickt» 

Erinnerungen, wie es früher war, und Ausblicke, wie es sein wird ermuntern zum Alkoholgenuss.“

«Hat die ältere Dame gesagt. Alle haben auf den Boden geguckt. Jetzt waren alle richtig traurig»

Auf die Krisenerscheinungen zu trinken bzw. dass man noch fest mit beiden Füßen auf dem Boden steht, verleihen das Gefühl von Errungenschaft und Erfolg.“

«So isses, hat einer gesagt. Sofort war die Stimmung wieder besser. Bis auf Errungenschaft und Erfolg, hat so ein Nörgler gesagt» 

Aktuell ist man eher auf die Familienmitglieder angewiesen.“

«Ich mochte das Thema  ja noch nie»

Das Image der Getränkekategorie ‚Sekt‘ schafft also ein geschicktes Deckmäntelchen: man ’säuft nicht‘ (auch wenn die zweite Flasche bereits angebrochen ist), sondern demonstriert niveauvolles Klassenbewusstsein.“

«Hat der Klugscheißer wieder gesagt. Die anderen haben gelangweilt geguckt. FDP-Wähler!, hat einer gemurmelt»   

Während der Rotwein schläfrig, das Bier gesellig machen kann, so schafft Sekt selbst in müden Momenten einen neuen Elan und Begeisterung.“

«Elan und Begeisterung habe ich mir sofort gemerkt. Fand ich überlegenswert. Könnte von Vorteil sein»

 

Der Alte Sack findet, dass der Verfasser des Artikels sich mächtig ins Zeug gelegt hat, auch sprachlich. Er hat viele überraschende Dinge geschrieben. Deshalb: Respekt vom Alten Sack.

Paul und der Alte Sack haben schon überlegt, ob sie sich nicht ab und zu mal ein Gläschen Sekt gönnen sollten. Wenn  Max, Heiner, Horst, Rainer und die anderen erst unseren neuen Elan und die Begeisterung in schlaffen Momenten mitbekommen, machen  die bestimmt auch mit,

Danke an den Autor und den Auftraggeber der Studie für diese Erkenntnisse. Wenn der Alte Sack das bloß alles vorher gewusst hätte …

 

Quelle: marktforschung.de



Schönen Tach noch

DAS