Wie Routine bei Corona helfen kann

Schon wieder „Impfunwilligkeit“. Gestern die Alten, jetzt auch noch die Migranten und Zugereisten, liest der Alte Sack. Hat eine Studie angeblich rausgefunden. Unangenehmes Thema. Gar nicht schön 

Der Alte Sack hatte neulich einen Traum: er hat mit einer Integrationspolitikerin ein Interview geführt. Sie hat ihm gesagt, was jetzt zu tun sei.

Sie erklärt die Impfunwilligkeit damit, dass solche Schreiben einfach zur Seite gelegt und vergessen“ würden. Mit Schreiben sind nicht die vom Lottogewinnzentrum sondern vom Impfzentrum gemeint. Die würde der Alte Sack natürlich nie im Leben so schnell zur Seite gelegt haben. Und schon gar nicht nicht vergessen.

Sie macht den überraschenden Vorschlag, eine „Aufklärungskampagne“ zu starten. Vielleicht kennt sie ja zufälligerweise eine Agentur, die das machen könnte, denkt sich der Alte Sack. Das wäre doch schön. Und mehr kann man ja nun wirklich nicht machen.

Es gäbe da Mythen bei den Zugewanderten, sagt sie weiter. Leichtere Abschiebung und Fruchtbarkeitsbeeinflussung seien nach der Impfung möglich. Deshalb die Kampagne. Dann wären diese Mythen weg.

Die Kampagne müsse vor allem in den jeweiligen Sprachen sein. Das wirkt dann persönlicher. Haben die extra für mich gemacht, hat man rausgefunden. Hilft aber auch nicht immer. Im Hausflur seines Bekannten stand in acht Sprachen, man solle beim Verlassen die Tür schließen. Hat nichts genützt, die Tür blieb weiter offen. Multilingual ist wohl notwendig, aber nicht hinreichend.

Anderer Vorschlag der Migrationsbeauftragten: «Was wir brauchen, sind Vorbilder, die sich impfen lassen», schlägt sie für Zugewanderte vor. Hatte sich der Bundespräsident nicht neulich vorbildlich-medial mit Asta-Zenaca impfen lassen?, meint der Alte Sack sich zu erinnern. Der Bundespräsident kein Vorbild für Migaranten und Zugereiste? Oder hatte man nur vergessen, den Beitrag multilingual untertitelt zu senden? Dann wäre das Problem vielleicht gar nicht erst entstanden und Zugereiste und Migranten wären in Scharen in die Impfzentren geströmt.

Den Menschen müsse «klargemacht» werden, dass es «ganz wichtig“ sei, sich impfen zu lassen, «wenn wir wieder schnell zur Normalität finden wollen», die Integrationspolitikerin weiter.  

Der Alte Sack hat dann die Frage gestellt: Wie soll „Klarmachen“ gehen? Und was verstehen Zugewanderte unter „Wir“? Die Migrationsbeauftragte hat die Frage nicht gehört.

Wenn sie gut gewesen wäre, hätte sie vielleicht gesagt: Machen Sie doch mal das Mikrofon aus. Wenn sie versprochen hätte, dann auch etwas zu sagen, hätte der Alte Sack natürlich das Mikrofon ausgemacht.

Vielleicht hätte sie dann gesagt: OK, OK, ich kenne unheimlich viele Menschen mit Migrationshintergrund, viele gute, wertvolle Freunde. Die meisten sind gut integriert, viele erfolgreich. Aber ich kenne auch die anderen Zugewanderten. Mit denen habe ich auch gesprochen. Alles liebenswerte Menschen. Ich würde sagen: jede/r ist anders und jede/r hat sein eigenes Schicksal. Um ehrlich zu sein: Was ich wirklich kann, ist gestalten und organisieren. Das ist wichtig, wenn man sowas macht. Das wird oft unterschätzt. Deshalb liegt mir auch diese Kampagne so am Herzen. Damit kann man nämlich was erreichen – für die ganze Gesellschaft. Viele meinen, das sei ein bisschen wenig und bringe nicht viel. Ich finde das nicht. Und die Agentur auch nicht. – Was sollen wir denn sonst machen?

Der Alte Sack hätte vielleicht gesagt: Danke für die offenen Worte. Dann hätte er natürlich Diskretion zugesichert und sich verabschiedet. Sie hätte vielleicht gesagt, dass er immer einen Termin bei ihr bekommen könne.

Beim Weggehen hat der Alte Sack sich überlegt, ob er nicht auch Integrationspolitiker werden solle. Natürlich auch wegen der Position, des Dienstwagens und der Pension. Aber nicht nur.

Er würde viel kreative Energie darein stecken, alles irgendwie besser und zeitgemäßer machen. Nicht so das Übliche. Eher auf Effektivität achten und weniger auf mediale Erwünschtheit. Er würde es richtig machen wollen. Solche Phantasien hat er übrigens ständig.

Deshalb muss er sich unbedingt mit Max treffen. Den würde er mit ins Boot holen. Max ist Marketingexperte. «Also wenn du heute erfolgreich sein willst: Such dir einen Influencer. Geht gar nicht mehr ohne, wenn du nicht abgehängt werden willst»

Max kennt sich bei Projektplanungen bestens aus – behauptet er jedenfalls. «Bei Migranten muss man erstmal rausfinden, auf wen die eigentlich hören. Nicht politisch. Mehr so, wer da der Chef ist, der sagt welche Autos und cool und uncool sind. Welche Klamotten man haben muss. Oder wie viele Haare stehen bleiben dürfen und welche weg sein müssen. So was eben», Max weiter

Max weiht den Alten Sack auch in die Geheimnisse Influencer-Welt ein: «Geld ist wichtig. Aber Vorsicht: Der will zwar Scheine sehen, aber der Anschein der Bestechlichkeit darf gar nicht erst aufkommen. Er darf ja nicht als Hure zu erkennen sein. Wenn der erfährt, dass da z.B. ein Integrationspolitiker hinter steckt, dann war’s das. Da hilft es nichts, wenn du auch so einen Namen wie er hast. Das könnte eher toxisch wirken. Kein Influencer kann es sich leisten, mit so jemandem in Verbindung gebracht zu werden. Wenn die Follower das nämlich rauskriegen: Karriere im Eimer und großer Ehrverlust. Weg vom Fenster. Vermutlich für immer. Bei den Kardashians ist das natürlich anders. Aber andere Liga, anderes Milieu».

Dem Alten Sack gefällt der Ansatz. Es wird schon jemanden finden, den er einschleusen kann. Der muss dann mit dem Influencer Kontakt aufnehmen und ihn mit allen Tricks bearbeiten – also vorimpfen -, am besten dass der glaubt, das tolle Projekt käme von ihm. Und aber auch sagen, dass sein Ansehen in seiner Community dadurch enorm wachsen würde. Und seine Ehre sowieso. Dann dass er jemanden kennt, der sein Auto günstig verkaufen wolle. Natürlich kein VW, Dacia oder sowas. So dass der Influencer gar nicht mehr anders kann. Der ist ja auch nur ein Mensch. Dass funktioniert bestimmt. Hat der Alte Sack schon mal in einem Film gesehen, da hat das auch geklappt.

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Die Kampagne von der Integrationspolitikerin würde der Alte Sack erst mal auf Eis legen als, wenn er der Integrationsbeauftragte wäre. Die Agentur würde ja als Impfvorbild vermutlich doch nur wieder einen sympathischen, lächelnden, vollintegrierten Menschen mit Migrationshintergrund auf einem Plakat vorschlagen, der dann so etwas sagt wie: «Ich gehe impfen. Komm doch mit».

Das wäre dann ja nur so wie immer. Allerdings: Pressetermin mit Präsentation der Kampagne im BAMF wäre schon chic. Er könnte den Neid seiner Freunde sogar genießen. Trotzdem, nein.

Der Alte Sack hält die Influencer-Idee für die bessere Kampagne. Wenn der nämlich wirklich gut ist, dann würde ihm zum Thema Impfunwilligkeit schon das Richtige für seine Leute einfallen. Er kennt die ja wirklich. Die aktuellen Entscheider behaupten das ja nur in ihrer Bewerbung.

Das ist jetzt aber ungerecht, ruft sich der Alte Sack zur Ordnung. Ein Interview bekommt man ja schon von ihnen. Wenn man bewiesen hat, dass man keine klärenden Fragen stellt – sich also qualifiziert hat für ein Interview.

Fremdkörper bei der ganzen Kampagne sind eigentlich nur die, für die das alles gemacht werden soll. Aber dafür gelten ja Corona-Regeln: Abstand halten.

Worum ging’s noch mal? Ach ja, um ein Projekt zur Impfunwilligkeit.

 

DAS