Wo gehörst du hin ?

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Der Alte Sack hat jetzt gelesen, dass ein weltberühmtes Institut ein Modell unserer  Gesellschaft entworfen hat. Also eigentlich auf den neuesten Stand gebracht hat. Quasi ein Abbild der Gesellschaft. Das Institut sagt, dass das ziemlich gut geht, wenn man dafür ein Milieu-Modell nutzt. Damit kann man dann sehen, was die verschiedenen Lebenswelten in unserer Gesellschaft bewegt, also Werte, Lebensziele, Lifestyles. Sagt das weltberühmte Institut. Das fand der Alte Sack so interessant, dass er bei seinen Freunden mal checken wollte, ob das auch stimmt. «Ihr wolltet doch immer wissen, wer ihr seid und wo eure Position in der Gesellschaft ist: Also, ein weltberühmtes Institut sagt, dass es 10 Milieus gibt, die sich auf 4 Hauptmilieus verteilen: Leitmilieus, Zukunftsmilieus, Modernen und Traditionellen Mainstream». «Und es gibt das Politikermilieu» – «Ja, ja, ist ja gut, Werner» – «Warum sagst du das so abwertend? Ich kenne mich da aus. Schließlich habe ich 25 Jahre lang ……». «Später, Willi. Ich geh mal davon aus, dass Milieus jeden interessieren». Niemand wagt zu protestieren. «Ich fang mit den Leitmilieus an.. Wem sagt folgendes etwas: 
Die alte strukturkonservative Elite: klassische Verantwortungs- und Erfolgsethik sowie Exklusivitäts- und Statusansprüche; Wunsch nach Ordnung und Balance; Selbstbild als Fels in der Brandung postmoderner Beliebigkeit; Erosion der gesellschaftlichen Führungsrolle „
Alle heben die Hand. «Dann gehört ihr zum Konservativ-Gehobenen Milieu, zur strukturkonservativen Elite». Werner: «Abwarten. Vielleicht gibt es noch was Besseres?» «Wer fühlt sich denn so?: 
Engagiert-souveräne Bildungselite mit postmateriellen Wurzeln: Selbstbestimmung und -entfaltung sowie auch Gemeinwohlorientierung; Verfechter von Post-Wachstum, Nachhaltigkeit, diskriminierungsfreien Verhältnissen und Diversität; Selbstbild als gesellschaftliches Korrektiv „
Heinz: «Darüber müsste man erst mal wissen, was genau gemeint ist» «Wenn du erst darüber reden musst, gehörst du nicht zum Postmateriellen Milieu. Sowas spürt man doch. Also nicht jeder spürt das natürlich“ «Wem sagt denn sowas was:
Die effizienzorientierte und fortschrittsoptimistische Leistungselite: globalökonomisches und liberales Denken; gesamtgesellschaftliche Perspektive auf der Basis von Eigenverantwortung; Selbstbild als Stil- und Konsum-Pioniere; hohe Technik- und Digital-Affinität“
«Hört sich irgendwie nach FDP an» «Egal. Wer gehört sich zugehörig? Hand hoch!» «Also niemand will in’s Performer-Milieu. Komisch, letzten Mittwoch klang das in dieser Runde noch ganz anders» «Lies noch mal vor, was so einen Performer eigentlich macht» «Nein, ich les das doch nicht noch mal alles vor. Nur weil du Performer sein willst» «Jetzt zu den Zukunftsmilieus. Wer fühlt sich so:
Die ambitionierte kreative Bohème: Urban, hip, digital, kosmopolitisch und vernetzt; auf der Suche nach neuen Grenzen und unkonventionellen Erfahrungen, Lösungen und Erfolgen; ausgeprägte Selbstdarstellungskompetenz, Selbstbild als postmoderne Elite
«Ach Gott, Alles Unwörter des Jahres».   «Und was ist mit:
Die Treiber der globalen Transformation: Optimismus und Aufbruchsmentalität bei gleichzeitig ausgeprägtem Problembewusstsein für die planetaren Herausforderungen; offen für neue Wertesynthesen: Disruption und Pragmatismus, Erfolg und Nachhaltigkeit, Party und Protest; Selbstbild als progressive Realisten; Umwelt- und klimasensibler Lebensstil
Heinz gähnt, Werner geht auf die Toilette, Horst schaut auf sein Handy. «Ihr gehört also weder zum Expeditiven noch zum Neo-Ökologischen Milieu. War eh klar.» «Ich hab noch die Modernen Mainstreams. Wie sieht’s damit aus:
Der moderne Mainstream: Anpassungs- und Leistungsbereitschaft, Nützlichkeitsdenken, aber auch Wunsch nach Spaß und Unterhaltung; starkes Bedürfnis nach Verankerung und Zugehörigkeit; wachsende Unzufriedenheit und Verunsicherung aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung; Selbstbild als flexible Pragmatiker „
«Wem sagt das etwas?» 2 Hände gehen nach oben. «Anpassungs- und Leistungsbereitschaft kenn ich noch von früher» «Der zweite Teil ist gut. Wohltuende Worte nach dem ganzen Quatsch von vorhin» «Damit gehören Heinz und Werner ab sofort zur Adaptiv-Pragmatischen Mitte. Der Rest nicht»   «Und was ist mit:
Die auf Konsum und Entertainment fokussierte (untere) Mitte: Spaßhaben im Hier und Jetzt; Selbstbild als cooler Lifestyle-Mainstream; starkes Geltungsbedürfnis; berufliche Anpassung vs. Freizeit-Eskapismus; zunehmend genervt vom Diktat der Nachhaltigkeit und Political Correctness
«Immer ist nur der zweite Teil gut. Ist das Absicht?» «Damit meinen die ein Konsum-Hedonistisches Milieu»    «Und was ist damit:
Die um Orientierung und Teilhabe bemühte Unterschicht: Dazugehören und Anschlusshalten an den Lebensstandard der breiten Mitte – aber Häufung sozialer Benachteiligungen und Ausgrenzungen; Gefühl des Abgehängtseins, Verbitterung und Ressentiments; Selbstbild als robuste Durchbeißer „
«Ich glaube, der Schreiber mag dieses Milieu nicht» «Robuster Durchbeißer? Die meinen dich, Heinz». «Das weltberühmte Institut nennt das Ganze Prekäres Milieu» «Endlich kann man sich mal was vorstellen»   «Wir haben es gleich geschafft. Was ist mit:
Die harmonieorientierte (untere) Mitte: Wunsch nach gesicherten Verhältnissen und einem angemessenen Status; Selbstbild als Mitte der Gesellschaft, aber wachsende Überforderung und Abstiegsängste; gefühlter Verlust gelernter Regeln und Gewissheiten; Sehnsucht nach alten Zeiten „
«Gesicherte Verhältnisse? Angemessener Status? Das nennen die Nostalgisch-Bürgerliches Milieu? Hat bestimmt jemand Junges geschrieben». «Sehnsucht nach alten Zeiten ist doch gut» «Aber bei ‚wachsender Überforderung‘ kann man nicht wirklich widersprechen. Klaus und Werner haben früher auch mehr getrunken» «Irgendwann gehört jeder zum Nostalgisch-Bürgerlichen Milieu» – «Wegen Alkohol?» – «Nee, wegen Allem». Weil die Stimmung im Keller war und er schon genug Feinde hat, verzichtete der Alte Sack auf die Beschreibung des Traditionellen Milieus.
Die Sicherheit und Ordnung liebende ältere Generation: verhaftet in der kleinbürgerlichen Welt bzw. traditionellen Arbeiterkultur; anspruchslose Anpassung an die Notwendigkeiten; steigende Akzeptanz der neuen Nachhaltigkeitsnorm; Selbstbild als rechtschaffene kleine Leute“
Er hat auch nicht weiter gefragt, ob jemand das Angebot des Instituts annehmen will, sich zum «offiziell zertifizierten Milieu-Experten» ausbilden zu lassen. Endlich kann Herrmann erzählen, dass er gestern Gerda getroffen hat. «Die sieht immer noch richtig klasse aus. Wir haben Telefonnummern getauscht. Und mit Herrmann ist sie auch nicht mehr zusammen». Da sieht man mal wieder, dass Verhältnisse wichtiger als Milieus sind.   Schönen Tach noch DAS     Quelle: SINUS Markt- und Sozialforschung 2021